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  • 27.08.2026

    «Frech unter dem Tisch vorgucken»

    In den 90ern hat er deutsche Volleyballgeschichte geschrieben. Jetzt trainiert Volker Spiegel unsere Erstligadamen.

    Montagabend im ASVZ-Zentrum Gloriarank. Musik wummert durch die Halle. Während sich die Spielerinnen aufwärmen, verhüllt Volker das Volleyballnetz mit einem mitgebrachten Neunmeterlaken.

    Nach vier Trainings mit dem Damen 1 zeigt sich der 63-Jährige zuversichtlich: "Ich glaube, dass hier wirklich Potenzial da ist. Eine solche persönliche Leistungsbereitschaft und die Hingabe, mit der alle ans Werk gegangen sind, seit ich in der Halle bin, das hat mich sehr positiv berührt."

    Lange suchte Spada vergeblich nach einem Trainer. Nun steht plötzlich einer mit WM- und Olympia-Erfahrung in der Halle.

    Mit Dynamo Berlin gewann der letzte Nationaltrainer der DDR mehrere Meisterschaften in Ostdeutschland. Später führte er den CJD Berlin zu zwei gesamtdeutschen Meistertiteln und zum Champions-League-Pokal.

    "Ich hatte das Glück, im Volleyball alles von der Weltspitze und von oben nach unten erleben zu dürfen. Nach 15 Jahren habe ich dann 2000 gesagt: Es ist jetzt Zeit für eine Pause." Aus dem Trainer wurde ein Unternehmer.

    Der Sportwissenschafter entwickelte eine Technologie, mit der Zusammensetzung und Druck der Luft gesteuert werden können. So kommt die dünne Bergluft ins Tal, ohne dass man fürs Höhentraining lange reisen muss.

    Mit seinem patentierten Verfahren kam er 2022 in die Schweiz, wo er in Sitten die Loxy AG gründete, die Höhenklimaanlagen und Hypoxieräume herstellt.

    Ein Jahr später lockte ihn ein Hilferuf aus der Innerschweiz zurück zum Volleyball. Als Cheftrainer und Sportdirektor brachte er Volleya Obwalden auf einen nachhaltigen Kurs, betreute das Damenteam in der 1. Liga und baute ein U18-Zukunftsteam auf. Und jetzt beginnt Volker bei Spada Academica.

    Was steht an in den nächsten Wochen?

    Wir arbeiten gerade viel in Gruppenübungen und mit hohen Intensitäten: Block, Angriff, Abwehr. Ich möchte ein Gefühl bekommen, wer was wirklich kann. Frühestens ab 14. September beginne ich, an die Formationen heranzugehen.

    Bist du happy mit dem Kader?

    Mich freut, dass wir einen 13er-, 14er-Kader haben. Von der Durchschnittsgrösse her sind wir sehr gut aufgestellt. Neben den erfahrenen Spielerinnen sind Junge dabei, die alles geben und wirklich schon was können. Ich glaube, dass hier frischer Wind drin ist.

    Im Moment haben wir nur eine Zuspielerin. Ich erwäge, 4-2 zu spielen, so wie übrigens Kuba jahrelang an der Weltspitze beeindruckt hat. Wir haben mit Mathilde eine hervorragende Linkshänderin auf Diagonal, die auch ganz gut zuspielt.

    Das Risiko, mit einer Zuspielerin voll auf ein 5-1 zu setzen, kann man eingehen, muss man aber nicht. Zumal unsere Gegnerinnen selten einem Team gegenüberstehen, das immer drei Angreiferinnen vorne hat.

    Was ist das Ziel für diese Meisterschaft?

    Bis nach Weihnachten versuchen wir erst mal, uns im Team richtig gut zu finden. Aber wir nehmen auch alles mit, was wir an Punkten machen können.

    Mal gucken, wie alle anderen sind. Aber wenn wir uns eine gute Ausgangsposition holen und das Kader gut arbeitet, dann musst du im oberen Drittel mitspielen können: Frech unter dem Tisch vorgucken.

    Ich glaube, wir arbeiten mehr daran, Stärken auszubauen, als nur Schwächen zu beheben. Die Spiele werden am Ende über die Abwehr gewonnen. Wobei ich ja noch ohne Liberas gross geworden bin.

    Was hat sich im Volleyball seit den 90ern am meisten verändert?

    Wir haben Ende der 90er Jahre noch viel mehr und intensiver aus dem Rückraum angegriffen, als das heute im Damenvolleyball der Fall ist.

    Auch die einbeinigen Angriffe der Mittelblockerinnen über die Zwei waren Weltspitze. Die sieht man heute seltener. Ansonsten hat sich vor allem der Service positiv weiterentwickelt: Floats und Sprungaufgaben.

    Im Bereich Blockabwehr und Gegenangriff hat sich nicht so viel verändert. Du musst einfach unglaublich schnell umschalten können und musst aus der Abwehr heraus variabel den Gegenzug ausführen.

    Also setzt du einen Schwerpunkt in der Defensive?

    Ja. Ich bin so ein Abwehrfreak. Die grossen Spiele werden am Ende über die Abwehr gewonnen. Bei uns fällt kein Ball rein. Diese 81 Quadratmeter sind unser Zuhause. Eine Viererwohnung. Da fällt nichts auf den Fussboden. Ganz einfach.

    Ich möchte mithelfen, dass die Damen 1 richtig schönen und guten Volleyball spielen und dass die Leidenschaft zu sehen ist. Wir werden gemeinsam daran schaffen, dass das Team das ausstrahlt.